Ich bin Interpret (und Komponist) in eigener Sache. Ich sehe mich gezwungen, will ich mich angemessen zum Ausdruck bringen, zu üben, was bedeutet, mich schier endlos zu wiederholen (ähnlich wie beim Einüben z.B. eines Musikstücks). Das führt auf der einen Seite zu einer gewissen persönlichen Reife, andererseits leider zu einem nicht unerheblichen Frischeverlust. Irgendwann bin ich mir über, finde mich langweilig, beliebig, belanglos und was es noch für Worte gibt, um so etwas wie Überdruss zu kennzeichnen. Wie also halte ich mich (als Gegenstand fortwährender Interpretation) frisch?

Will ich meinen literarischen Geschmack weiterbilden, werde ich mich bis zu einem gewissen Grad auch mit Literatur beschäftigen müssen, die mir fremd ist. Im Spiegel dessen, was mir fern liegt, erkenne ich das mich Ansprechende, von mir Angestrebte.

Wissbegierig, ja, aber ohne besonderes Interesse an dem, was allgemein für wissenswert gehalten wird.

Ich spiele mich nie ganz aus. Mindestens ein Trumpf bleibt in der Hand.